{"id":10200,"date":"2013-11-27T08:41:30","date_gmt":"2013-11-27T07:41:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=10200"},"modified":"2020-03-17T08:00:25","modified_gmt":"2020-03-17T07:00:25","slug":"einfluss-eines-mindestlohns-auf-das-allgemeine-gehaltsgefuege","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/einfluss-eines-mindestlohns-auf-das-allgemeine-gehaltsgefuege\/","title":{"rendered":"Einfluss eines Mindestlohns auf das allgemeine Gehaltsgef\u00fcge"},"content":{"rendered":"<p>Auch wenn man sich so gar nicht f\u00fcr die Argumente f\u00fcr einen gesetzlichen Mindestlohn oder allgemein eine angemessene Grundsicherung erw\u00e4rmen kann, weil man der Ansicht ist, dass diese &#8222;armen Schlucker&#8220; ein h\u00f6heres Einkommen nicht verdient haben, sollte man vielleicht einmal inne halten und diesen Gedanken richtig zu Ende f\u00fchren. <\/p>\n<p>Denn sicherlich gibt es in einer Gesellschaft die eine oder andere Ansicht dar\u00fcber, wie letztlich &#8222;Gerechtigkeit&#8220; auszusehen hat. Was die einen als berechtigten Anspruch verstehen, sehen andere wiederum als falsch verstandenes Mitleid oder empfinden gar Neid aufgrund dieser als ungerecht verstandenen &#8222;Bevorteilung&#8220;.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Auch wenn es um die Einf\u00fchrung eines allgemeinverbindlichen Mindestlohnes geht, werden solche Urteile von vielen Zeitgenossen vertreten. Doch ist das auch wirklich so? Hat nur der Geringqualifizierte etwas davon, wenn sich sein Gehaltsabstand zu den Kritikern verringert? Wird er dann also im Vergleich zu den besser Ausgebildeten &#8222;\u00fcberbezahlt&#8220;?<\/p>\n<p>Ist das ein einseitiger Vorgang, bei dem tats\u00e4chlich nur der Niedrigverdiener profitiert? Oder steckt da vielleicht doch wesentlich mehr dahinter?<\/p>\n<p><b>System der Grundsicherung mit Arbeitszwang <\/b><br \/>\nIn der Regel ist ein System einer Grundabsicherung mit einem Mindestlohn so aufgebaut, dass die H\u00f6he dieses untersten niedrigst m\u00f6glichen Lohnes etwas \u00fcber der sozialen Existenzsicherung angesiedelt ist. Dies geschieht aus dem einfachen Grund, dass sich ansonsten eine Arbeitsaufnahme schlichtweg nicht rechnet.<\/p>\n<p>Anders sieht es allerdings aus, wenn man die Empf\u00e4nger der Grundsicherung aus politischen Gr\u00fcnden zur Aufnahme von Arbeit zwingen will. Sei es, indem man ihnen droht, andernfalls die Unterst\u00fctzung zu k\u00fcrzen, wenn Arbeitsangebote nicht wahrgenommen werden oder andere Sanktionen zu verh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>In solchen F\u00e4llen wissen die Arbeitgeber, dass die Bewerber eine Besch\u00e4ftigung annehmen m\u00fcssen, fast egal zu welchem Lohn. Dies f\u00fchrt im Arbeitsmarkt der Niedrigverdiener zu Lohnsenkungen, da die Marktmacht auf Seiten der Unternehmer zunimmt. Das ist die eigentlich fatale Folge von Hartz IV: die Etablierung eines gewaltigen Niedriglohnsektors.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Volkswirtschaft als Ganzes aber bedeutet ein solch gro\u00dfer Anteil an Geringverdienern vor allem eins: Konzumverzicht aufgrund stagnierender oder sogar sinkender Reall\u00f6hne. Infolgedessen verringern sich auch die Gewinnaussichten der Unternehmer, was anstatt der eigentlich erwarteten Schaffung von zus\u00e4tzlichen Arbeitspl\u00e4tzen zur Vernichtung oder zu weniger neu geschaffenen Stellen f\u00fchrt, obwohl die Besch\u00e4ftigten doch eigentlich billiger werden.<\/p>\n<p><b>Bedeutung einer niedrigeren Grundabsicherung f\u00fcr Besserverdienende<\/b><br \/>\nNun gut, mag man nun sagen, doch ich geh\u00f6re ja gar nicht zu diesem Segment der Geringverdiener, was also habe ich dann davon, wenn sie mehr verdienen und auch mehr konsumieren? Die Gefahr, dass ich jemals von Sozialhilfe abh\u00e4ngig werde, ist doch aufgrund der Eigenheiten meines Berufes verschwindend gering, was also bedeutet ein nicht vorhandener Mindestlohn f\u00fcr mich?<\/p>\n<p>In erster Linie hei\u00dft das, dass auch mein Lohn sinken oder zumindest nicht mehr so schnell ansteigen wird.<\/p>\n<p>Warum das denn?<\/p>\n<p>Weil jede Gesellschaft und auch jedes Unternehmen eine Einkommenshierarchie kennt und besitzt. Und dieses Gehaltsgef\u00fcge ist von den untersten Lohneinkommen abh\u00e4ngig, und diese wiederum von der H\u00f6he der Hartz-IV-S\u00e4tze und\/oder anderer Grundabsicherungen.<\/p>\n<p>Dies liegt einfach daran, dass nach obiger Definition die untersten Einkommen normalerweise etwas \u00fcber den Sozialhilfes\u00e4tzen liegen, wenn diese ohne gr\u00f6\u00dfere Zwangsma\u00dfnahmen ausgezahlt werden.<\/p>\n<p>Darauf aufbauend erh\u00e4lt das Segment der etwas Besserqualifizierten einen Lohn, der in einem bestimmten Abstand zu den Geh\u00e4ltern der Geringverdiener festgelegt wird. Ebenso verh\u00e4lt es sich mit den mittleren Arbeitnehmern, die wiederum ein Einkommen in einer feststehenden H\u00f6he \u00fcber den L\u00f6hnen der n\u00e4chstniedrigeren Hierarchiegruppe erhalten.<\/p>\n<p>Diese Einteilung setzt sich entsprechend fort \u00fcber alle Einkommensklassen hinweg bis zu den Spitzenverdienern eines Unternehmens bzw. einer Gesellschaft.<\/p>\n<p><b>Die Wirkung einer Mindestentlohnung auf alle Einkommensklassen<\/b><br \/>\nDer Grund daf\u00fcr ist schlicht in dem wahrgenommenen Status der verschiedenen Hierarchiestufen zu finden. Unternehmen und Manager sorgen in der Wirtschaftswelt sehr effektiv daf\u00fcr, dass die unterschiedlichen Qualifikationen der Arbeitnehmer in eine bestimmtes Gehaltsgef\u00fcge passen, dass vor allem durch die verschiedenen Einkommen wiedergegeben wird.<\/p>\n<p>Je h\u00f6her die niedrigeren Verdienststufen eingeordnet sind, desto h\u00f6her m\u00fcssen dann auch die gehobenen Einkommensklassen sein, damit man diese Statusdifferenzen noch entsprechend und allgemein anerkannt abbilden kann. <\/p>\n<p>Reduziert man aber die Einkommen der Niedrigverdiener durch den Zwang zur Arbeitsaufnahme zu einem beliebigen Lohn oder durch das Nichtvorhandensein eines allgemeing\u00fcltigen Mindestlohnes, so l\u00f6st man damit einen Abw\u00e4rtstrend f\u00fcr faktisch alle Gehaltsgruppen unterhalb der Spitzenverdiener und der Managementebene aus und bringt so das ganze Einkommensgef\u00fcge einer Volkswirtschaft ins Rutschen. <\/p>\n<p>Erh\u00f6ht man dagegen durch entsprechende Ma\u00dfnahmen die Einkommen der Niedrigverdiener, wird ein Druck in die entgegengesetzte Richtung etabliert, der sich zu Gunsten aller Einkommensbezieher entwickelt. <\/p>\n<p>Es kann also nicht falsch sein, dem &#8222;armen Schlucker&#8220; ruhig etwas mehr zu g\u00f6nnen, am Ende hat man dann selbst auch etwas davon.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch wenn man sich so gar nicht f\u00fcr die Argumente f\u00fcr einen gesetzlichen Mindestlohn oder allgemein eine angemessene Grundsicherung erw\u00e4rmen kann, weil man der Ansicht ist, dass diese &#8222;armen Schlucker&#8220; ein h\u00f6heres Einkommen nicht verdient haben, sollte man vielleicht einmal<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[27,14,40,15,18],"class_list":["post-10200","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-investition","tag-lohn","tag-mindestlohn","tag-produktivitaet","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10200","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10200"}],"version-history":[{"count":31,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10200\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4750104,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10200\/revisions\/4750104"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10200"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10200"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10200"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}